Wiederentdeckte
Vergangenheit - der Hohlweg
Hohlwege sind in unserer Landschaft so selten geworden,
dass die meisten sie nur aus alten Beschreibungen oder
vom Hörensagen her kennen, da im Rahmen der Flurbereinigung
die meisten Hohlwege vom Wegenetz abgeschnitten und
in vielen Fällen sogar verfüllt wurden.
Diejenigen aber, die sich mit der Erforschung des Wandels
der heimatlichen Markungen beschäftigen, wissen,
dass Hohlwege Teil eines historisch gewachsenen Wegenetzes
sind und im Laufe der Entwicklung einer Landschaft den
Naturgegebenheiten angepasst wurden. Vielerorts lassen
sich Hohlwege sogar bis hin zu ihrer frühgeschichtlichen
Entstehung verfolgen.
Die Erhaltung der noch verbliebenen Reste oder die Rekultivierung
inzwischen verfüllter Hohlwege – ist im wahrsten
Sinne des Wortes demnach eine Kulturdenkmalerhaltung
in der freien Landschaft und gleichzeitig eine Biotoppflege
besonderer Art.
Aus kulturhistorischer Sicht sind Hohlwege ein wichtiger
Beleg für historische Wegeverbindungen. Darüber
hinaus sind sie ein reizvoller Bestandteil der freien
Landschaft. Der Entstehung und Eintiefung auf lehmlöß-
haltigen Boden liegen rel. kurzfristige, dynamische
Prozesse zu Grunde, bei denen im Zusammenspiel von Fuhrwerken
und Gewitterregen immer wieder neue Abschwemmungen zur
Eintiefung führten.
Hohlwege haben vielfältige ökologische Funktionen.
Es gibt kaum einen vergleichbaren Biotoptyp, der so
viele Nischen für Tiere und Pflanzen mit ganz unterschiedlichen
Ansprüchen bietet. So entsteht ein reichverzahntes
und überaus artenreiches Gefüge verschiedenster
ökologischer Nischen.

Projekt "Hohlwegsanierung südl.
Kastl"
Der Hohlweg südlich Kastl hat eine klassische Entstehungsgeschichte.
Aufgrund eines leichten Gefälles konnte sich hier
über Lehm-Löß-Boden eine Rinne bilden,
die sich im Laufe der Zeit zu einem über 250m langen
Hohlweg entwickelte, der mittlerweile dicht mit Bäumen
und Büschen bestanden ist und als Gehölzstruktur
in der Biotopkartierung erfasst wurde. Nach der Nutzungsauflassung
wurde der Hohlweg dagegen als Schutzplatz genutzt.
Mit dem Projekt hat der Landschaftspflegeverband den Rahmen
der üblichen Maßnahmenpalette verlassen und
sich einem Thema gewidmet, dass - zumindest im hiesigen
Raum - bisher kaum beachtet wurde. Auch heute noch werden
leider immer noch Verfüllungen von Hohlwegen durchgeführt.
Mit der Maßnahme wurde einer breiten Öffentlichkeit
die Situation der Hohlwege im Landkreis vorgestellt um
das Bewusstsein für die Bedeutung der Hohlwege als
landschaftsprägende Bestandteile, aber vor allem
auch für ihre ökologische Funktion zu wecken.
Hohlwege in ihrer charakteristischen Ausprägung sind
zur Aufrechterhaltung ihrer Funktion im Naturhaushalt
auf Nutzung/ Befahrung angewiesen. Nur so können
die dynamischen Prozesse von Bodeneintrag und Abtrag im
Wechselspiel aufrechterhalten werden.
Der im Jahre 1997 sanierte Hohlweg zeigt, dass sich Naturnutz-
und Naturschutz nicht zwangsläufig ausschließen.
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